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Der König geht und (wieder) mal darf das Volk nicht mitreden

Demonstranten für eine Volksbefragung, Quelle:  El Huffington Post  - Fotos nachträglich zugefügt zu diesem Post am 08.06.2014 Es gibt...

Demonstranten für eine Volksbefragung,
Quelle: El Huffington Post - Fotos nachträglich zugefügt
zu diesem Post am 08.06.2014
Es gibt ja in Spanien zur Zeit kaum ein anderes Thema. Das Leben des Königs, seiner Frau, seiner Kinder, die Zeit der Transition, alles wird aufbereitet, durchgekaut und kommentiert.

Als Nicht-Spanier muss ich mich mit meiner eigenen Meinung zurückhalten, trotzdem möchte ich einen persönlichen Eindruck wiedergeben, den ich durch meine Freunde und Bekannten gewonnen habe.

Ich kenne sehr wenige "junge" Menschen (bis 45 Jahre - ich möchte hier mal grosszügig sein), die wirklich an die Monarchie und an einen König als Staatsoberhaupt glauben. Die Menschen haben m.E. zwar nichts konkret gegen die Monarchie, sie war ja für viele Menschen auch schon "immer" da, aber verstehen, dass ein vererbbarer Titel über dem Staat und dem Bürger stehen soll, wird schwer verstanden. Und vor allem bei einem König der per Gesetz immun ist und über den die Presse nie schlecht schreiben darf...

Demonstranten für eine Volksbefragung,
Quelle: El Huffington Post
Die Spanier haben zur Zeit schwer zu kämpfen, ihre Familien durchzubringen, oder zumindest den meist nicht üppigen Lebensstandard einigermassen zu erhalten. Ganz im Gegensatz dazu gibt es eine Familie, die nur wegen Geburt alle nur denkbaren Privilegien hat und über jedem Bürger steht. (Es ist ja ein Glück, dass Filipe intelligent und sympathisch ist - was aber wenn der Erstgeborene geistig oder emotional nicht fähig wäre um ein Land zu leiten - es gibt dafür keine konstitutionellen Regelungen und wie im Mittelalter kann ein Infante (Prinz) heutzutage wahrscheinlich nicht einfach verschwiegen oder ausgesetzt werden - krass gesprochen).

Demonstranten für eine Volksbefragung,
Quelle: El Huffington Post
Der König, dem nachgesagt wird, dass er eigentlich eher links als rechts steht, wird trotzdem eher als Vertreter der traditionellen Eliten gesehen. Und eine der Eliten - die Politiker - sind in letzter Zeit schwer in Mitleidenschaft gezogen worden mit Korruption (die bis ins Königshaus reichte) oder anderen "Rechtsanmassungen" (siehe Esperanza Aguirre - Ex-Präsidentin von Madrid, die sich nicht wie jeder normale Mensch vor der Polizei bei einer Verkehrsbehinderung ausweisen wollte, dabei einen Polizisten fast umfuhr und dann Fahrerflucht unternahm und freigesprochen wird und sich noch bemitleiden lässt) oder dass eine mehr als bewiesenermassen "untaugliche" Frau des Ex-Präsidenten Aznar (welcher sich aus purem Egoismus kein gutes Verhältnis zum König hatte) zur Oberbürgermeisterin von Madrid berufen und trotz zahlloser Skandalen nicht abgerufen wird und das Volk sich verhöhnt fühlt.

Demonstranten für eine Volksbefragung,
Quelle: El Huffington Post
Anmerkung: Die Fahne Rot - Gelb - Lila ist die Republikanische
Spanische Fahne
Meine Einschätzung ist, dass bei einem sofortigen Referendum sich eine überwältigende Mehrheit für eine Republik entscheiden würde, weil die Jüngeren keine Untertanen mehr sein wollen, viele Katalanen wollen sowieso nicht mehr zu Spanien gehören (und bevor der Königstitel nicht zu König von Spanien und Katalonien geändert wird sehe ich da ganz schwarz) und aus historischen Gründen, dass die Gesellschaft nach vielen Jahren immer noch politisch durch den Bürgerkrieg gespalten ist. Immer noch gibt es Menschen, deren Familiengeschichten erzählen, dass ihr oder sein Grossvater von den Franqiusten getötet wurden etc. Völlig irrational aber immer noch verwurzelt, schon aus diesem Grund sind auch die Gräben zwischen den beiden grossen Parteien so unüberwindbar. Wer also links ist oder wessen Familie irgendwie im Bürgerkrieg gelitten hat, ist tendenziell eher gegen die Monarchie. Und sozial oder finanziell benachteiligte Menschen, wozu sich heute viele Spanier zählen, sind auch generell eher gegen eine traditionelle Monarchie. Die Meinung ist "Ich musste meinen Job erkämpfen und erhalten" - "es ist nicht mehr zeitgemäss, eine Familie wegen ihrer Herkunft zu alimentieren.

Es sind sich eigentlich alle einig, dass der König viel erbracht hat, aber dass es Zeit war, einem neuen unverbrauchten Geist Platz zu machen - er hat gerade noch die Kurve gekriegt. In der Abdankungsrede kann man sehr gut hören, dass es Juan Carlos schwerfällt zu sprechen und er fühlt sich weit weg vom Volk und vom wahren Leben an (rein subjektiv).

Und was mich persönlich stört - falls ich das falsch interpretiere, bitte ich um korrigierende Kommentare - dass er sich an sein Volk mit "vosotros" (ihr) wendet. Es ist zwar üblich in Spanien, sich mit tu (du) vosotros (ihr) an fast alle Menschen zu wenden. Menschen im gleichen Alter sprechen sich immer per du an, aber es gibt Ausnahmen, d.h. Respektspersonen sollten mit Usted / Ustedes (Sie) angesprochen werden. Nie würde ich meinen Arzt, Apotheker, Konzernchef oder alte Menschen per tu (du) ansprechen. Und obwohl es sicher protokolarisch richtig ist, dass ein Herrscher sein Volk mit du/ihr anspricht, klingt für mich hier eine gewisse Überheblichkeit heraus, die ich persönlich unangebracht und nicht zeitgemäss finde. Anders wäre es, wenn der König so volksnah wäre, dass er mit allen per du ist sozusagen - in beide Richtungen - aber dies ist nicht der Fall.

Ich kann verstehen, dass der zukünftige Filipe VI sich im Moment kein Referendum leisten kann, zu schnell wäre die Monarchie weggefegt, aber ich bin davon überzeugt, dass er nach einigen Jahren, wenn er alles "richtig" macht, sich für seine Bürger einsetzt, gegen Korruption und soziale Misere kämpft, sich sehr wohl eine Volksbefragung leisten könnte - und dann ein für alle Mal tatsächlich König aller Spanier (und hoffentlich auch Katalanen, Basken... ) wäre.

Die Spanier möchten einfach nur auch mal gefragt werden - als das Volk.




Und hier noch zwei von unzähligen Karikaturen, die gerade zirkulieren.
Die Elefanten feiern - es ist Schluss mit dem Elefantentöten
(siehe Skandal Elefantensafari)


Benidorm zittert

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