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Kommentar: Puerta del Sol Madrid - meistbietend zu vermieten

Was ist eure Meinung bezüglich der Umbenennung der Metro Sol zu Vodafone Sol? Und liege ich vielleicht falsch damit, dass Madrid provinziel...

Was ist eure Meinung bezüglich der Umbenennung der Metro Sol zu Vodafone Sol? Und liege ich vielleicht falsch damit, dass Madrid provinziell verwaltet wird und unter seinen Möglichkeiten vermarket und entwickelt wird?

Inundummadrid Community
Dieser Post liegt mir schon seit einiger Zeit auf dem Herzen, zuerst wollte ich  "Puerta del Sol: die Hure von Madrid - ich mache alles, es ist nur eine Frage des Preises" nennen, aber das war mir dann doch zu provokant.

Das ganze fing damit an, dass eines der Wahrzeichen der Puerta del Sol, die Leuchtreklame "Tio Pepe" (die fast 80 Jahre das Erscheinungsbild des Platzes prägte) anscheinend nur zur Renovierung abmontiert und "auf Kur geschickt wurde" - siehe Post vom 29.04.2011.

Aber dann stellte sich heraus, dass die Firma Apple, die das komplette Gebäude gekauft oder gemietet hat, wohl keine andere Leuchtreklame oder anderes Logo als ihr eigenes dulden würde. Und aus "offiziellen Kreisen" verlautete dann, dass ein anderer Standort gesucht würde - anscheinend hatten die Proteste in Facebook etc. etwas gewirkt. Hier möchte ich noch anmerken, dass Madrid keine typische Schickimicki-Stadt ist wie vielleicht Düsseldorf oder Mailand (auch wenn es durchaus "solche" edlen Zonen im Viertel Salamanca gibt). Madrid charakterisiert sich eher durch normale, bodenständige Menschen - brauchen wir hier wirklich ein Apple-Flagschiff auf dem Kilometer 0?

Würde es Apple in London schaffen, die Leuchtreklame des Picadilly Circus auf ein anderes Gebäude zu verbannen? Ich bezweifle das sehr - aber in Madrid ist für Geld (fast) alles möglich - scheint es.

Jetzt ist zu lesen, dass das Wahrzeichen zurückkommt, weil sich die Eigentümergesellschaft des Gebäudes  Puerta del Sol 11 bereiterklärt hat, Tio Pepe "Asyl" zu gewähren. Besser woanders als überhaupt nicht?

Aber Tio Pepe ist nur ein Symptom dafür, dass es Madrid an Sensibilität und an einem Gesamtkonzept fehlt. Im März dieses Jahres wurde der Name der Metro-Station der Puerta del Sol für drei Jahre an Vodafone "verhökert". Für 3 Millionen Euro wurde die bekannteste U-Bahn-Haltestelle zu Vodafone Sol umbenannt und seit September heisst sogar die ganze Linie 2 - Linea 2 Vodafone.

Wir waren es ja schon gewohnt, dass ein Theater mal eine Zeit lang Häagenz Dasz Calderon hiess, aber dass das Herzstück der Stadt an einen Netzbetreiber vergeben wurde, hat mir doch die Sprache verschlagen. Vielleicht bin ich altmodisch, vor 10 Jahren hätte ich noch gesagt - cool, wie modern - aber heute in den reiferen Jahren, denke ich dass es an Geschmacklosigkeit grenzt. Und dazu kommt, dass 3 Millionen Euro für das ganze Budget der U-Bahn kaum ins Gewicht fallen und - auch die Ticketpreise aufgrund dieses Extraerlöses nicht verringert wurden - ganz im Gegentei - die Frequenzen verringert wurden, die Klimaanlagen schwächer eingestellt waren im Sommer und die Preise mehrfach erhöht wurden. Mich würde es überhaupt nicht überraschen, wenn für einen Amigo der Politik eine "nette" Provision bei diesem Deal abgefallen wäre (aber das ist pure Spekulation, nicht dass ich hier noch belangt werde).

Man erinnere sich, dass auch schon mal kurzerhand 100.000 Euros ausgeben wurden, um einen "Amigo" Designer einen neuen Metro-Plan entwerfen zu lassen, der so unpraktisch war, dass jetzt - nach Protesten - wieder zum alten zurückgekehrt wurde. Siehe Post "Design gegen Nützlichkeit.

Vodafone hat bei diesem Deal ausserdem das Recht miterworben, auf der gesamten Strecke der "neuen" Linie 2 Vodafone Werbeaktionen zu unternehmen. Metrospam sozusagen.

Jetzt wird gerade gross in den Haltestellen und in den Medien beworben, dass dass die U-Bahn-Nutzer Dank Vodafone in der gesamten Linie 2 Mobilnetzverbindung hätten. Ich habe es ausprobiert - und natürlich funktioniert nur das Netz von Vodafone durchgehend, die Kunden von Telefonica Movistar, Orange etc. schauen buchstäblich in die Röhre. Für Touristen ist es egal, mit wem sie "Roaming" betreiben, aber für die Madrider heisst es, dass die Mehrheit keine durchgehende Verbindung hat, trotz dieser Werbung.

Als Abschluss möchte ich noch erwähnen, dass die Stadtverwaltung eine neue Umgestaltung der Puerta del Sol plant, und dies nur drei Jahre nach der letzten Änderungen. 2009 wurde der Platz für 4,6 Millionen umgebaut, siehe Blog Oktober 2009. Damals wurde mit dem "gläsernen Fisch" - dem Zugang zur Cercanías (S-Bahn) ein Fremdkörper aufgestellt, der vom 81 Jahre alten Architekten  Antonio Fernández Alba erbaut wurde und - meiner Meinung vollkommen gerechtfertigt - viel Kritik hat einstecken musste. Ist das eine fehlgegangene Interpretation des gläsernen Pyramide im Louvre?

Ich liebe Madrid, aber es ist meiner Meinung nach traurig, anzusehen, wie provinziell die Stadt verwaltet und wie wenig ihr grosses Potential ausgeschöpft wird - und ich möchte noch nicht einmal eventuelle Vetternwirtschaft andeuten, aber ausschliessen auch nicht...

Seitdem Madrid endgültig keine Olympischen Spiele bekommen wird und auch wegen der Krise - gibt es kein Projekt mehr, auf das Madrid zuarbeiten könnte und die organisatorischen und strategischen Defizite kommen immer stärker ans Licht, da diese von keinem Projekt mehr überdeckt werden, sehen wir mal von Eurovegas ab. Und ob das je gebaut wird und ob wir wirklich diesen Typ von Tourismus brauchen, steht auf einem anderen Blatt.

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