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Barrio de las Letras - Das Literaturviertel Madrid

Gestern haben wir an der Führung durch das Barrio de las Letras teilgenommen. Bei diesen Rundgängen führt ein spanisch sprechender Stadtfü...

Gestern haben wir an der Führung durch das Barrio de las Letras teilgenommen. Bei diesen Rundgängen führt ein spanisch sprechender Stadtführer (wir haben die gleiche sympathische Dame erwischt, die uns auch schon über die Gran Vía geführt hat) durch das Literatenstadtviertel, ausgemalt mit Theaterdarstellungen an verschiedenen historischen Punkten, mit Schauspielern in historischen Kostümen.

Die Führung ist leider nur auf Spanisch und auch nur noch bis 30. September 2010 - sie kostet 7,50 Euro pro Person und muss im Tourismusamt in der Plaza Mayor Nummer 27 reserviert werden.


Es ging los um 20.00 an der Plaza Mayor am Tourismusamt. Jeder der verschiedenen Stadtführer kümmerte sich um jeweils seine Schäfchen entsprechend der farbigen Sticker, die man bei der Reservierung bekommen hatte.

Wir hatten hellblaue und nachdem die Führerin noch einige dunkelblaue Gäste aussortieren musste und zu einer Kollegin schicken musste, ging es dann los, an der Plaza Jacinto Benavente, vorbei am Theater "Häagenz Dazs" Calderon in Richtung Plaza Santa Ana zur Strasse Huertas.

Die Tour geht durch das Viertel, in dem im Spanischen sogenannten Goldenen Jahrhundert (Siglo de Oro) berühmte Personen wie Cervantes, Tirso de Molina, Lope de Vega, Calderón de la Barca, Quevedo y Góngora und auch spätere Schriftsteller wie Larra und Cadalso lebten und arbeiteten.

Zu dieser Zeit gab es zwei Theater, die damals "Corrales de Comedia" genannt wurden. Corrales sind die typischen Madrider Innenhöfe wo man aus dem Innenhof in alle Wohnungen gelangt.

Hier ein Foto aus Wikipedia:

es.wikipedia.org
Hier traf sich das ganze Stadtvolk zum Lachen und Tratschen und oftmals auch Essen und Trinken, da die Vorstellungen oftmals über den ganzen Tag ging.

Die Madrider waren zu dieser Zeit nicht sehr arbeitsfreudig und nutzten jede Gelegenheit aus, nicht arbeiten zu gehen. Stierkämpfe, Fiestas usw. Stierkämpfe und Theater waren oftmals am gleichen Tag, so dass keine Zeit zum Arbeiten blieb an diesen Tagen. Laut der Stadtführerin wurde somit damals nur an ca. 100 Tagen pro Jahr tatsächlich gearbeitet. 

Ausser den Theatern waren zu dieser Zeit von grosser gesellschaftlicher Bedeutung die Mentideros, Orte wo Informationen und Klatsch ausgetauscht wurde. Es geht vorbei am Mentidero des Platzes de Matutes, an der Kirche de San Sebastian (Heim der Schutzheiligen der Schauspieler), der Druckerei, in der die erste Ausgabe des Don Quijote gedruckt wurde, dem Kloster der Trinitarias, wo Cervantes beerdigt liegt (auch wenn man nicht genau weiss, an welcher Stelle), dem Ateneo de Madrid, dem Teatro Español / Könglichen Geschichtsakademie u.a.

Die Tour war interessant und kurzweilig. An fünf Stellen wurden wir von Schauspielern erwartet, die historische Szenen und Dialoge nachspielten. Die Schauspieler waren meines Erachtens wirklich gut und übten ihre Arbeit mit grosser Freude und viel Charme aus.

Einmal verlor ich sogar kurz meine Gruppe, weil eine andere Stadtführerin so authentisch aussah mit ihrem folkloristischen Kleid und ihrer dunklen Stimme und ihrem Gestikulieren, dass ich dachte, sie wäre eine weitere Schauspielerin. Doch nach einer Weile merkte ich, dass es nur die Führerin einer anderen Gruppe war und meine Gruppe schon ein paar Hundert Meter weiter war...

Hier ein Plan der Tour, den ich aus dem Web dieses Stadtviertels zitiere:

Quelle: http://www.barrioletras.com/

Und nachträglich noch alle Fotos, da wegen eines Blogger-Updates alle Fotos, die ich zu jedem Text platziert hatte verschwunden sind.
Get the flash player here: http://www.adobe.com/flashplayer


Hier die Stationen der Tour:

1. Calle Huertas auf der Höhe des ehemaligen Friedhofes San Sebastian:

Eine Schauspielerin des 17. Jahrhundert begrüsst die Besucher und warnt vor den Personen, die einem im Stadtviertel über den Weg laufen könnten.

2. Don Juan Tenorio - Calle Huertas / Ecke Calle del León

Don Juan erscheint mit der gleichen Sprunghaftigkeit, wie er auch die Mauern des Klosters der Doña Inés zu überspringen pflegte. Er sucht in der Gruppe seine Herzensdame, der er sein Herz mit Worten entreissen möchte. Aber seine Zuneigung ist sehr flatterhaft, er springt von einer zur anderen, verliebt sich mitten im Satz schon in die Nächste....

3. Don Quijote und Cervantes - Calle Huertas / Ecke Calle San Agostín

Eine Diskussion zwischen Cervantes und seiner Hauptperson Don Quijote. Quijote rezitiert Abschnitte aus dem Meisterwerk und philosophiert über Erfolg, Illusionen und Träume, während Cervantes mit beiden Beinen auf dem Boden steht und rational über seinen Roman spricht. Cervantes findet nicht die passenden Worte, mit dem sein Roman beginnen soll und Quijote bietet sich an, ihm dabei zu helfen... Am Ende hilft sogar eine Besucherin mit ... "En un lugar de la Mancha de cuyo nombre no quiero acordarme..." "In einem Ort der Mancha, an deren Ort ich mich nicht erinnern möchte..."

4. Zwischenspiel des Alten Eifersüchtigen - Calle de Cervantes, gegenüber des Hauses Museum Lope de Vega

Eine Schauspielerin spielt abwechselnd drei Figuren in einem kurzem Zwischenspiel (das damals zwischen den eigentlichen Theaterszenen gespielt wurden). Eine junge Dame, die Hunger (aber keinen Hunger nach Essen, so der O-Ton) hat, da sie mit einem alten Daddelkreis verheiratet ist. Eine geschwätzige Nachbarin, die ihr zu einem Techtelmechtel hinter dem Rücken des Alten verhilft und dem zittrigen alten Ehemann, der sich hinters Licht führen lässt und sich dafür auch noch entschuldigen muss. Die Schauspielerin verausgabt sich fast bei dieser wunderbaren Vorstellung. Und keiner traut sich Fotos zu machen, da sie in Anspielung auf heutige Zeiten zu Anfang sagte, "es ist verboten, Ton oder Bildmitschnitte zu machen", was sicherlich nur ironisch gemeint war.

5. Der Mentidero - Plaza de las Cortes

Die Mentideros waren Orte, wo man sich gegenseitig Neuigkeiten erzählte, wo man über alle wichigen Persönlichkeiten des Zeitgeschehens sprach - über Schauspieler, Erstaufführungen und alles mögliche aus der Welt des Theaters.

In diesem fiktiven Mentidero treffen die beiden Schriftsteller Quevedo - sarkastisch und mutig, und der feierliche und überschwängliche Lope de Vega aufeinander. Zwei Schauspielerinnen, die auf eine Rolle in einem Theaterstück hoffen, versuchen sich bei der beiden Autoren einzuschmeicheln. Quevedo und Lope de Vega duellieren sich sogar, dass die Funken schlagen und Quijote ist bereit, die Seiten zu wechseln, da er meint, die Zeit Cervantes sei vorbei.

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